Baukunst Galerie



Bild:

Sabine Groß
Unknown (Reconstructed), 2010
Acrylkunststoff, Pigment, Wachs, Holz, Lack
105 x 103 x 105 cm


"Von Kunst geträumt" ist der Titel der ersten großen Einzelausstellung von Sabine Groß in der Baukunst Galerie. Die Eröffnung findet am 18. April von 18 bis 20 Uhr statt.

Sabine Groß setzt sich in ihrer Kunst mit herausragenden Werken der Kunstgeschichte auseinander. Ein Kunstinteressierter kann in ihren Arbeiten Referenzen zu etablierten Positionen wie Carl Andre, Marcel Duchamp, Donald Judd oder Constantin Brançusi finden. Ihr geht es in ihrem Schaffen nicht um die Nachahmung, sondern um eine grundsätzliche Betrachtungsweise der durch die Kunstgeschichte zu Ikonen erhobenen Werke. Hierbei spielt das Erinnern an Materialien und Oberflächen sowie unsere Wahrnehmung dessen, was wir wirklich sehen, eine wichtige Rolle. Sabine Groß´ Anliegen ist es, mit ihren Arbeiten die Kunstgeschichte zu hinterfragen und zu kommentieren.

Der Ausstellungstitel "Von Kunst geträumt" soll den Besucher auf den Aspekt der Vergänglichkeit, der in den präsentierten Arbeiten eine Rolle spielt, vorbereiten. Sabine Groß gibt vor, ihre Kunstwerke der Natur auszusetzen. Sie verdreht die Verhältnisse und die Handschrift der Natur wird zum "Pinsel" der Künstlerin. Die Natur, die Natürliches schuf, wird durch das Einbeziehen in die konzeptuelle Arbeitsweise der Künstlerin zu Künstlichem.

Die 2008 entstandene Arbeit "Gefunden" erweckt den Anschein, Relikt eines Schlüsselwerks der Minimal Art von Carl Andre zu sein. Der Betrachter findet verwitterte und angerostete Metallplatten, die im Begriff sind, zu verfallen, vor. Von Donald Judd´s seriellen Kuben hat nur einer die Zeit überdauert, "Unknown (Reconstructed)" von 2011, der Spuren der Restaurierung bzw. Rekonstruktion aufweist. Ein verwandtes Werk von 2008, "Ohne Titel (Weißer Kubus)", befindet sich im Besitz der Kunstsammlung NRW.
Sabine Groß´ Objekte scheinen nur noch Fragmente von dem zu sein, was sie einmal waren. Hierbei kommen Fragen nach dem Wert oder dem Wertverfall eines Kunstwerkes auf. Darüber hinaus spielt die Künstlerin bewusst mit unserer Wahrnehmung. Denn ihre Skulpturen sind nicht, wie uns vorgetäuscht wird, aus schwerem Metall oder Gestein, sondern bestehen aus leichtem, bemaltem Acrylharz oder Styropor. Das Material, das wir also aus unserer Erinnerung erwarten und das, was wir für authentisch halten, ist in Wirklichkeit künstlich arrangiert. Auf spielerische Weise sensibilisiert sie hier unsere Wahrnehmung hinzu Fragen nach Original und Fälschung, Vorbild und Abbild.

In dem Werk "Versteinerung" (2008) geht sie sogar noch einen Schritt weiter und lässt den Inbegriff des Readymades, Duchamps "Fontaine", in fünf Einzelteile zerfallen. Durch diese Dekonstruktion befreit Sabine Groß auratisierte Werke von ihrem auferlegten Pathos. Darüber hinaus thematisiert sie Begrifflichkeiten der Kunsttheorie. So zum Beispiel stellt die "Blaue Periode" (2009) übereinander gestapelte Leinwände dar. Aus den Zwischenräumen des Stapels quillt pastose Ölfarbe in blauer bis roter Farbe über die Leinwände auf den Boden. Auf theatralische Weise inszeniert Sabine Groß hier das Ende der "Blauen Periode". Sie spielt dabei nicht nur auf die Stilphase verschiedenster Künstler an, sondern geht auf ironische Weise der Frage der durch die Kunstgeschichte entstandenen Begrifflichkeiten nach.

In der 2006 entstandenen Serie von Wandobjekten konfrontiert uns Sabine Groß mit der Frage nach der Realität eines Bildes. Ihre Lambdaprints, die auf die berühmten Leinwandeinschnitte Lucio Fontanas Bezug nehmen, sind Rekonstruktionen von aufgerissenen oder eingeschnittenen Leinwänden. Die Schatten und Einschnitte geben nur eine Dreidimensionalität vor. Fontana wollte damals die Bildoberfläche durchdringen und den Bildraum erweitern. Sabine Groß führt dieses Konzept ad absurdum, indem ihr Raum hinter dem Bild nur ein Abbild dessen ist, was Räumlichkeit vortäuscht. Mit anderen Worten dekonstruiert Sabine Groß ihre Rekonstruktion. Auch ihre 2008 entstandenen Brandbilder aus der Serie "excavation chic" gehören in diese Werkgruppe. Hier wird Papier angebrannt und abfotografiert, die Falten und Schatten werden am PC konstruiert. Wieder spielt Sabine Groß mit der Wahrnehmung des Betrachters und täuscht Räumlichkeit und andere Materialitäten vor.

In allen Werken thematisiert Sabine Groß ideelle wie materielle Beschaffenheiten und Verfahrensweisen, die dazu auffordern, kunsttheoretische Aspekte neu zu überdenken.

Sabine Groß studierte von 1985-1991 an der Akademie der Bildenden Künste in München und erhielt 1991 neben dem Debütantenpreis der AdBK München 1992/93 das Stipendium des DAAD in New York und 1994/95 das Stipendium der Cité International des Arts der Stadt Paris. Von 2007 bis 2009 erhielt sie das Dorothea-Erxleben-Stipendium und lehrte an der HBK Braunschweig. Seit 2009 ist Sabine Groß Professorin an der Kunsthochschule in Mainz. Neben zahlreichen Einzel -und Gruppenausstellungen, wie im Marta, Herford, in der Kunsthalle Nürnberg, im Martin-Gropius-Bau, Berlin, in der Kunstsammlung NRW, Düsseldorf, in der Kunsthalle Mainz, in den Staatlichen Museen zu Berlin, im Museum Fridericianum, Kassel, in der Hamburger Kunsthalle, in der Kunsthalle Baden-Baden und in der Pfalzgalerie Kaiserslautern, um nur einige zu nennen, sind ihre Arbeiten Teil internationaler Kunstsammlungen. Sabine Groß lebt und arbeitet in Berlin.






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